"Alte" Ausstellungen

AUSSTELLUNG IM RÜCKBLICK >>> IM ANDERSWELTENraum

Wolfgang Kolb (*1959 in Wetzlar, Geologe, lebt in der Westpfalz) präsentiert seine Fotoausstellung: „Die große Stille“

 

Auf einmal wird alles still. Die letzten Menschen sind gegangen und sie haben das Meiste mitgenommen. Viele Jahre später wird der der Verfall deutlich und es riecht nach Schimmel und nach feuchtem Zement. Oft finde ich dann Relikte vom Leben, das einst hier herrschte. Eine zerknüllte Notiz in krakeliger Bleistiftschrift, ein abgegriffener Schraubenzieher, ein zerzauster Besen, ein Stiefelabdruck auf dem öligen Boden, eine vergilbte Zeitung mit Schlagzeilen von vor zwanzig Jahren. Manchmal zwängt sich frisches Grün durch zerborstene Fenster und rissigen Beton. Und die abgeblätterten Mauern fangen leise an ihre Geschichten zu erzählen.

 

Irgendwie begann ich einmal zu fotografieren um Erinnerungen zu konservieren. Ich bin viel und gerne unterwegs und neben der fotografischen Dokumentation meiner Reisen und meiner Arbeit führe ich immer ein Tagebuch. Wenn ich später die Fotos betrachte und meinen Text dazu lese gelingt es mir oft – auch noch nach vielen Jahren – mich in den Moment zurück zu versetzen in dem ich das Foto gemacht habe und ich erinnere mich sogar noch an Gerüche und Geräusche.

 

Zu fotografieren und Bilder zu betrachten – sei es als Dia am Leuchttisch oder großformatig auf Leinwand projiziert – in sie hinein zu tauchen und auf diese Weise die Welt neu zu entdecken und zu erleben gibt mir Ruhe und Zufriedenheit. Fast ein Moment der Meditation.

 

Die Serie „Die große Stille“ entstand größtenteils durch meinen Job bei einer internationalen Consultingfirma. Den verfallenen Bauwerken mit denen ich mich dabei auseinandersetze höre ich erst einmal gespannt zu, bevor ich anfange zu arbeiten. Jedes hat seine eigene faszinierende Geschichte. Gerade dann, wenn einfach nur große Stille herrscht, bevor die Abbruchbagger kommen.

 

 

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